Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Wetzlar/Gießen: "Auch wenn eskalierende Gewalt, Autoritätsverlust der Lehrer und ausufernde Disziplinlosigkeit der Schüler an heimischen Schulen noch immer die Ausnahme bilden, zeigen die jüngsten Vorfälle in Berlin-Neukölln, dass unser Bildungssystem immer noch nicht für notwendige Integrationsleistungen ausgerichtet ist!" Zu diesem Ergebnis kommt die heimische Bundestagsabgeordnete Priska Hinz (GRÜNE).
Forderungen nach "Abschiebungen" oder "Ausgrenzungen in Sonderschulen", die vor allem aus Kreisen der CDU/CSU ertönen, erteilt Priska Hinz eine Absage. "Deutschland ist erst seit dem Inkrafttreten des Zuwanderungsgesetzes offiziell Einwanderungsland. Alle Anstrengungen müssen jetzt darauf gerichtet sein Maßnahmen zur nachholenden Integration einzuleiten und umzusetzen. Mangelnde Integration ist ein deutsches Problem, verursacht durch diejenigen, die Migration vor allem als Gastarbeiterproblem gesehen haben.
Gewalt hat in erster Linie soziale Ursachen. Perspektivlosigkeit und mangelnde Bildung verschärften die soziale Benachteiligung junger Menschen. Dies führe dann oft zu Konfliktlösung durch Gewalt. "Kulturelle Unterschiede werden erst in zweiter Linie bedeutsam: wenn Jugendliche sich als Verlierer begreifen, versuchen sie Stärke durch Abgrenzung und Unterdrückung anderer zu demonstrieren. Als Bezugsgruppe dient dann wiederum oft die eigene Ethnie", so die bildungspolitische Sprecherin der GRÜNEN Bundestagsfraktion.
Hinz unterstützt die vielfach auch in Wirtschaftskreisen erhobene Forderung nach Auflösung des mehrgliedrigen Schulsystems, weil das frühe Verteilen von Schülerinnen und Schülern auf unterschiedliche Schultypen keinen Sinn mache: "Hauptschulen sind de facto vielfach Restschulen, in die alle so genannte 'Problemfälle' abgeschoben werden. Notwendig ist ein neuer Schultyp, in dem Kinder länger gemeinsam lernen und früher individuell gefördert werden."
Für eine bessere Integration ist laut Hinz auch die Kenntnis der deutschen Sprache notwendig "Rot-Grün hatte in einem großen Kraftakt für die Integrationskurse des Zuwanderungsgesetzes 208 Millionen Euro eingestellt, nachdem sich die unionsgeführten Bundesländer komplett aus der Finanzierung dieser Sprachkurse zurückgezogen hatten", so Hinz. Gerade hier wolle die große Koalition nun aber etwa 30% kürzen.
Die heimische Abgeordnete unterstützt die Forderung des Leiters des Staatlichen Schulamtes in Gießen, Heinz Kipp, der angesichts der aktuellen Diskussion eine Ausweitung der Sozialarbeit gefordert hatte. "Es ist eine alte Forderung der GRÜNEN, dass alle Schulen, insbesondere aber Schulen an sozialen Brennpunkten, Unterstützung durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie psychologische Beratung bekommen. Außerdem müssen Schulen und Jugendhilfe stärker kooperieren, damit Eltern besser in den Erziehungsprozess und das Schulleben eingebunden werden können." Wichtig, so Hinz weiter, sei auch, dass gerade in sozialen Brennpunkten mehr echte Ganztagsschulen eingerichtet würden und eine verstärkte Zusammenarbeit mit Jugendhilfe, Betrieben und Vereinen im Stadtteil stattfinde. Schließlich müsse auch die vorschulische Bildung und deren Qualität stärker unter dem Gesichtspunkt nachholender Integration in den Blick genommen werden. "Es dürfen nicht ganze Bevölkerungsschichten vom Arbeitsmarkt und vom kulturellen Leben ausgeschlossen werden. Ein nationaler Integrationsgipfel ist nur hilfreich, wenn er ganz konkrete Handlungsschritte für Verbesserungen erarbeitet und vor allem deren Finanzierung sicherstellt", so Hinz abschließend.