
NR. 0693/2006
Datum: 29. Mai 2006
Zum Tag des Ausbildungsplatzes erklärt Priska Hinz, bildungs- und forschungspolitische Sprecherin:
Nach Monaten des Beschwichtigens und Schönredens kommt die Bundesregierung nun nicht mehr am sich klar abzeichnenden katastrophalen Mangel an Ausbildungsplätzen vorbei. Endlich hat auch die große Koalition gemerkt, dass der Ausbildungspakt in seiner jetzigen Form den Jugendlichen nicht weiterhilft. Allerdings sind Rezepte wie die von Michael Glos verkündete Kürzung der Ausbildungsvergütungen von vorgestern. Solche Vorschläge führen nur dazu, den schwarzen Peter bei den Jugendlichen abzuladen und die Wirtschaft schon mal auf Vorrat reinzuwaschen.
Wir fordern konkrete Schritte der öffentlichen Hand, dort, wo sie investive Mittel einsetzt. Alle öffentlichen Auftraggeber sollten ihre Aufträge nur an Unternehmen vergeben, die ausbilden. Falls nötig, müssen schleunigst die rechtlichen Grundlagen für eine solche Anerkennung von Ausbildungsleistungen geschaffen werden. Eine nachhaltige Finanzpolitik erschöpft sich nicht nur darin, welches Unternehmen das finanziell günstigste Angebot macht.
Die Bundesländer müssen endlich ihrer viel beschworenen Bildungshoheit nachkommen: Sie müssen durchsetzen, dass die Anerkennung vollzeitschulischer Ausbildungen schneller vorankommt. Außerdem müssen sie die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft nicht nur punktuell, sondern dauerhaft verbessern.
Für die Gruppe der Unternehmer mit Migrationshintergrund müssen die Informationsangebote verbessert werden, damit mehr dieser Betriebe Ausbildungsplätze anbieten können. Rot-Grün hat hier wichtige Grundlagen gelegt. Die vom Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks angekündigte Initiative geht in die richtige Richtung.
Noch ist Zeit zum Handeln. Die Bundesregierung hat schon zu lange weggesehen.