
NR. 0733/2006
Datum: 2. Juni 2006
Zur Vorlage des nationalen Bildungsberichts erklärt Priska Hinz, bildungs- und forschungspolitische Sprecherin:
Endlich legt die KMK einen nationalen Bildungsbericht vor, der alle Bildungsbereiche und -phasen umfasst. Ein solch ganzheitlicher Blick auf das Bildungswesen folgt der Idee des Lebenslangen Lernens. Das ist außerordentlich zu begrüßen.
Der Bericht enthält aber wenig Neues. Das deutsche Bildungssystem verstärkt soziale Ungleichheit und vertieft Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Es trägt daher zu einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft bei: auf der einen Seite die, die so geringe Bildungschancen haben, dass sie auf keinen grünen Zweig kommen. Auf der anderen Seite jene, die ihre Bildungschancen kennen und nutzen, sie im Laufe der Zeit kumulieren und somit ein hohes Sozial- und Teilhabeniveau erreichen.
Wir müssen es daher von Grund auf, von Anfang an besser machen. Keine und keiner darf in jungen Jahren zurückgelassen werden. Wir Grüne fordern eine bessere frühkindliche Bildung mit entsprechenden Angeboten, mehr Ganztagsschulen, mehr individuelle Förderung und längeres gemeinsames Lernen.
Der Bericht weist eindeutig auf die gestiegene Bedeutung der Ganztagsangebote im Bildungssystem hin. Die Große Koalition möchte aber mit der Föderalismusreform verfassungsrechtlich verbieten, dass die Bundesregierung in der Bildung mitwirkt, wie zum Beispiel beim Ganztagsschulprogramm. Dies dürfen wir nicht zulassen.
Besonders dramatisch ist die Lage bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Sie werden nicht nur nicht ausreichend gefördert, sondern zusätzlich an vielen Stellen unseres Bildungssystems diskriminiert. So zum Beispiel beim Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule, wo sie trotz gleicher Lesekompetenz nicht annähernd so oft wie Kinder ohne Migrationshintergrund eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen. Wir Grüne haben einen Integrationsfahrplan vorgelegt, der einen Schwerpunkt auf frühkindliche und schulische Bildung sowie Ausbildung legt und deutlich macht, was die Migrantinnen und Migranten, was aber auch die aufnehmende Gesellschaft leisten muss. Ein chancengerechtes Bildungssystem ist da das Minimum.
Der Nationale Bildungsbericht ist unter www.bildungsbericht.de zugänglich.