Priska Hinz, MdB

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16. August 2006

Priska Hinz trifft Schülergruppe aus Belarus

Zu Gast beim Verein ‚Leben nach Tschernobyl’ in Braunfels

"Am 26. April 1986 explodierte das Restrisiko der Atomtechnologie. Es war nicht nur der GAU für die Menschen in der Ukraine und Weißrussland, deren Gesundheit und Lebenswelt zerstört wurden. Es war auch der GAU für jenen Machbarkeitswahn, der die Risiken der Atomenergie immer wieder herunter geredet und geleugnet hatte – bis die Strahlenwolke in den Tagen nach Tschernobyl Europa überzog.

Der Besuch der Kindergruppe hat mich in meinem politischen Engagement bestätigt: Wir brauchen eine Welt ohne Atomkraft und müssen deshalb all unser Know-how, unsere wissenschaftliche Kreativität in Strategien der Effizienz, des Einsparens und in alternative Energien setzen. Wer die Kinder aus Belarus gesehen und – trotz ihres Leides – ihre Lebensfreude erlebt hat, kann eigentlich nur noch sagen: Atomkraft – Nein danke! Nie wieder Tschernobyl.

Ich freue mich deshalb besonders darüber, dass sich der Arbeitskreis 'Leben nach Tschernobyl' des Kirchenkreises Braunfels um dessen Vorsitzende Lore Gerster auch noch zwanzig Jahre nach der Reaktorkatastrophe um die Menschen und insbesondere um die Kinder dieser Region kümmert. Nur das ehrenamtliche Engagement des Arbeitskreises ermöglicht zurzeit 18 Kindern mit drei Begleitpersonen einen 4-wöchigen Erholungsaufenthalt bei frischer Luft und unverstrahlten Lebensmitteln. Finanziert werden diese jährlich stattfindenden Freizeiten nur durch Spenden und einen Zuschuss des Kirchenkreises. Das finde ich sehr anerkennenswert.

Wer heute wieder für die Nutzung der Atomenergie eintritt, sollte sich die verstrahlten Gebiete in Weißrussland oder Ukraine, dem Belarus, anschauen. Er wird dort sehr schnell eines besseren belehrt werden. Die Menschen dort ernähren sich hauptsächlich von Dingen, die sie selbst anbauen. Aber gerade diese Nahrungsmittel sind nach wie vor hoch belastet. Hierunter leiden die Kinder am meisten: Als Folge der permanenten Strahlenbelastung kommt es immer noch zu schweren Krebsfällen wie Leukämie und Schilddrüsenkrebs und einer Schwächung des Immunsystems, was viele und langwierige andere Erkrankungen zur Folge hat.

20 Jahre sind eine lange Zeit für die Politik. 20 Jahre sind aber eine kurze Zeit für die radioaktive Strahlung. Beim Tschernobyl-Unglück wurde besonders viel Cäsium 137 freigesetzt. Cäsium 137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren. Die heutige Strahlenbelastung liegt demnach noch weit über der Hälfte derjenigen von 1986. Die Katastrophe dauert an, obwohl es auch in Deutschland längst wieder Politiker und Lobbyisten gibt, die davon nichts hören wollen.

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