PRESSEMITTEILUNG
NR. 0337/2007
Datum: 21. März 2007
UN-Kritik am Bildungssystem muss Konsequenzen haben
Zum Bericht des Sonderberichterstatters Muñoz über das deutsche Bildungswesen vor der UN in Genf erklärt Priska Hinz, bildungspolitische Sprecherin: Muñoz legt den Finger in die größte Wunde des deutschen Bildungssystems - die mangelnde Chancengerechtigkeit. Er bestätigt in vielen Punkten Kritik, die von den Grünen seit Jahren geäußert wird. Es ist nicht hinnehmbar, dass Kinder allein aufgrund ihrer sozialen Herkunft schlechtere Startchancen haben. Deutschland sollte die Kritik des UN-Sonderberichterstatters sehr ernst nehmen und sich vom mehrgliedrigen Schulsystem verabschieden. Erkenntnisse haben wir nun zu genüge, es müssen endlich Taten folgen.
Die Ablenkungsmanöver von Seiten der Kultusministerkonferenz und der Bundesbildungsministerin sind peinlich. Wer Muñoz' Kritik damit abtun will, dass dieser sich in zehn Tagen kein Bild habe machen können oder das deutsche System nicht verstehe, zeigt nur, dass er die Ergebnisse nationaler und internationaler Bildungsstudien ignoriert.
Das beste Beispiel dafür ist die Grundschulstudie IGLU. Sie belegt, dass fast die Hälfte der Grundschulempfehlungen falsch ist. Der Ausleseprozess von Kindern im Alter von zehn Jahren ist also erwiesenermaßen willkürlich. Schlimmer noch, er verstärkt die soziale Ungerechtigkeit und benachteiligt Kinder aus Migrantenfamilien besonders stark.
Es wird daher höchste Zeit, Gemeinschaftsschulen einzurichten, in denen Schüler besser und individuell gefördert werden. Ebenso wichtig sind Reformen im Bereich der frühkindlichen Bildung. Auch hier unterstützt Muñoz grüne Forderungen, wenn er fordert, die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern auf Hochschulniveau anzuheben.
Auch bei den Bildungschancen von Kindern mit Behinderungen steht Deutschland international nicht gut da. Hierzulande werden behinderte Kinder in der Regel an Sonderschulen abgeschoben. Von einer echten Einbeziehung, wie das UN-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen es fordert, kann also keine Rede sein. Mehr Anstrengungen sind notwendig, um behinderte Kinder durch gemeinsamen Unterricht besser zu fördern, wie das in vielen Ländern bereits erfolgreich praktiziert wird.