Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
In einer Wissensgesellschaft können Teilhabe und Innovation nur gesichert werden, wenn wir lebenslanges Lernen stärker fördern. Gerade durch die demografische Entwicklung werden in vielen Branchen bald Fachkräfte fehlen und Ältere werden nicht mehr so früh aus dem Erwerbsleben ausscheiden wie derzeit. Mit Geld allein ist es dabei nicht getan. Ebenso wichtig sind Bildungsberatung, Angebote für spezielle Zielgruppen und ein Mentalitätswechsel: Allen muss bewusst sein, dass Lernen sie ein Leben lang begleiten wird. Denn nur Bildung sichert die Selbstständigkeit und soziale Integration jeder und jedes Einzelnen, sie ist Voraussetzung für Kreativität und Innovation, egal ob es um gesellschaftliches Engagement oder wirtschaftliche Aktivität geht.
Bei den Projektbesuchen und Gesprächen von Priska Hinz (Sprecherin für Bildungs- und Forschungspolitik) und Britta Haßelmann (Sprecherin für Kommunalpolitik, Demografie und Altenpolitik) in Wetzlar und Haiger stand daher das Thema 'Weiterbildung' und 'Lebenslanges Lernen' im Mittelpunkt.
Das Markenzeichen von StudiumPlus mit Sitz in Wetzlar ist eine in Deutschland bisher einzigartige Verzahnung von Theorie (Studium) und Praxis (Beruf). Leitender Direktor Prof. Dr. Harald Danne schilderte den beiden Abgeordneten, dass die Studierenden an der Fachhochschule Gießen-Friedberg immatrikuliert und gleichzeitig in einem Unternehmen angestellt sind. Der Vorteil dieses dualen Studiums liegt auf der Hand: Neben der fundierten wissenschaftlichen Ausbildung an der FH stehen praxisnahe Projektphasen im Unternehmen. Dadurch haben die Studierenden die Gelegenheit, frisch erworbenes Wissen sofort in der Praxis zu erproben. Umgekehrt kann die betriebliche Arbeit zu konkreten Fragen führen, die in den Veranstaltungen an der Fachhochschule vertieft werden. Die Unternehmen erhalten entsprechend ihrer individuellen Anforderungsprofile an den studierten Nachwuchs "maßgeschneiderte" und akademisch qualifizierte Fachkräfte, die bereits während des Studiums in dem Unternehmen eingearbeitet werden.
Ein zusätzlicher Schwerpunkt ist die Vermittlung zentraler Führungs- bzw. Schnittstellenkompetenzen. In diesem Bereich werden Veranstaltungen wie z.B. Präsentationstechnik, Projektmanagement, Betriebsethik und Unternehmergespräche sowie Zeitmanagement angeboten. Die StudiumPlus-Studierenden schließen je nach Studiengang das vollwertige FH Studium mit dem international anerkannten Titel Bachelor ab.
Ein weiteres Angebot der Wetzlarer Kooperation zwischen der Fachhochschule, Industrie- und Handelskammern sowie Unternehmen der Region stellt die Weiterqualifizierung von älteren, arbeitssuchenden Akademikerinnen und Akademikern dar. Im Zuge dieser Fördermaßnahme erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer neben Hilfen für sachgerechte Bewerbungen auch eine inhaltliche 'Auffrischung' auf den Stand der wissenschaftlichen Lehre in ihrem ehedem studierten Fach.
![]() |
| Im Gespräch bei StudiumPlus (v.l.n.r.): Geschäftsführende Direktorin Prof. Dr. Anita Röhm, Direktor Prof. Dr. Dieter Koerth, Leitender Direktor Prof. Dr. Harald Danne, Britta Haßelmann und Priska Hinz |
"Immer mehr ältere Menschen und weniger junge Leute machen in unserer Gesellschaft zwei Dinge erforderlich: lebenslanges Lernen und verstärktes ehrenamtliches Engagement", so Britta Haßelmann und Priska Hinz beim Besuch des Freiwilligenzentrums Mittelhessen in Wetzlar.
Von Zentrumsleiterin Ute Ketter ließen sich die beiden Abgeordneten über Freiwilligenarbeit in Mittelhessen informieren. Das Freiwilligenzentrum hat momentan drei Arbeitsschwerpunkte: die Betreuung von Engagement-Lotsen, die ehrenamtlich Tätige unterstützen, das Erarbeiten von Qualifizierungsangeboten für Organisationen und Verbände und die Vorbereitung des Freiwilligentags am 16. Juni, wo Unternehmen aus der Region sich ohne Entgelt um die Verwirklichung von Projekten kümmern - beispielsweise streichen Mitarbeiter die Fassade eines Kindergartens.
![]() |
| Die Leiterin des Freiwilligenzentrums, Ute Ketter, zeigt Priska Hinz und Britta Haßelmann das T-Shirt zum Freiwilligentag 2007 |
Ketter berichtete, dass die Bereitschaft steige, sich ehrenamtlich zu engagieren. Zudem sehen auch immer mehr Arbeitslose die Chance, mit einer ehrenamtlichen Aufgabe ihr Alltagsleben zu normalisieren und sinnvoll zu gestalten. Diese Beobachtung, bestätigten Haßelmann und Hinz, decke sich mit bundesweiten Erfahrungen. Weiterbildungsangebote, erläuterte Ketter den beiden Bundestagsabgeordneten, werten die Freiwilligen als eine Form der Anerkennung. Zudem gebe die Qualifizierung Sicherheit. Vor allem ältere Menschen, viele an der Schwelle zur Rente, fragen im Freiwilligenzentrum nach einer neuen Aufgabe, um der Zeit nach dem Arbeitsleben Sinn und Struktur zu geben. 90 Prozent der Interessenten hätten zunächst keine konkrete Vorstellung, wo und wie sie sich einbringen wollen. Hier leiste das Freiwilligenzentrum Beratungsarbeit. "Dabei achten wir darauf", so Ketter, "dass die Engagierten nicht eine hauptamtliche Kraft ersetzen. Sie können und sollen lediglich ergänzend wirken."
"Wir möchten Anregungen sammeln und nach Berlin mitnehmen", sagten die beiden Bundestagsabgeordneten, nachdem sie von der Leiterin der Altenpflegeschule des Lahn-Dill-Kreises, Ulrike König, in Haiger empfangen wurden. Mit von der Partie waren auch der ehrenamtliche Dezernent Günther Kaufmann-Ohl (B90/DIE GRÜNEN) und der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Kreistag, Manfred Rompf.
"Die Altenpflege ist ein Beruf mit Zukunft, das ist vielen Menschen noch nicht klar", schilderte König ihre Arbeit mit den 110 vornehmlich weiblichen Jugendlichen an der Schule. Bei den Jugendlichen zumindest komme die Ausbildung an. Die Schule im ehemaligen Krankenhaus ist einzügig und kooperiert seit 1990 mit 20 Trägern von Altenpflegeeinrichtungen in Mittelhessen. Problematisch für die PflegeschülerInnen ist oft die Vergütung: Bei unterschiedlichen Trägern angestellt, erhalten manche Tariflohn, manche liegen weit darunter, so dass die Bandbreite der Vergütung – wie auch bei den Urlaubstagen – sehr groß ist.
Die Altenpflegschule bietet außerdem einen Qualifizierungslehrgang 'Mentoren in der Pflege' an. Dieser richtet sich an staatlich anerkannte AltenpflegerInnen sowie Gesundheits- und KrankenpflegerInnen. Das Ziel besteht darin, eine optimale Theorie-Praxis-Verknüpfung in den jeweiligen Lernfeldern herzustellen.
Besonders interessant fanden Hinz und Haßelmann das Projekt "SimA" (Selbstständig im Alter). Der Kurs für ältere Menschen wird seit dem vergangenen Jahr von Sabine Schmitt – einer pädagogischen Mitarbeiterin der Schule – im Kreisgebiet angeboten. Geschult werden hier die Gehirnkompetenz und Lebensorganisation; aber auch das Gedächtnis und die Psycho-Motorik werden trainiert, so dass alte Menschen noch lange ohne fremde Hilfe ihren Lebensalltag bewältigen können.
![]() |
| Priska Hinz und Britta Haßelmann im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der kreiseigenen Altenpflegeschule in Haiger |