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Rund neun Monate nach der Bundestagswahl ist die Zeit der Eingewöhnung nun endgültig vorbei. Für mich als bildungs- und forschungspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion gibt es eine Menge zu tun im Bundestag – für eine chancengerechte Bildung und eine zukunftsfähige Forschung.
Und so sieht eine typische Sitzungswoche in Berlin für mich aus:
Am Montagmorgen geht es von Herborn aus mit dem Zug nach Berlin. Wenn ich dann um die Mittagszeit in mein Berliner Büro komme, stapeln sich auf meinem Schreibtisch schon die ersten Mappen: Wichtiges zu den Themen Bildung und Forschung, Presseauswertungen, Briefe von Bürgerinnen und Bürgern, Einladungen und so weiter.
Am Nachmittag trifft sich mein gesamtes Team zur wöchentlichen Arbeitsbesprechung in meinem Büro. Gemeinsam gehen wir durch, was in dieser Woche ansteht und wer welche Aufgaben übernimmt. Die Tagesordnungen aller Sitzungen werden behandelt, wichtige Themen aufgegriffen und Strategien geplant. Nach etwa zwei Stunden bleibt dann etwas Zeit für die ersten Gesprächstermine – mit Verbänden oder Fachleuten.
Abends treffen sich Kolleginnen und Kollegen meiner Fraktion, um intern über aktuelle politische Themen und unsere Positionen zu beraten.
Der Dienstag steht ganz im Zeichen von Gremiensitzungen der Fraktion. Zunächst tagt die Arbeitsgruppe Bildung und Forschung mit den drei grünen Abgeordneten aus dem Bildungsausschuss und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Direkt danach folgt die Sitzung des Arbeitskreises 5 "Wissen und Generationen", zu dem sieben grüne MdBs gehören, und nachmittags dann die Fraktionssitzung mit allen 51 grünen Abgeordneten im Südturm des Reichstagsgebäudes. Der Dienstagabend klingt dann – wie alle weiteren – aus mit Veranstaltungsterminen oder weiteren Besprechungen.
Mittwochs ist Ausschusstag: In den Fachausschüssen des Bundestages wird die eigentliche parlamentarische Sach- und Detailarbeit geleistet: Ob Anträge oder Gesetzentwürfe – bevor diese im Bundestag endgültig beraten und abgestimmt werden, wird die Vorlage im Ausschuss auf Herz und Nieren geprüft. Der Bildungs- und Forschungsausschuss zum Beispiel ist einer von insgesamt 22 Hauptausschüssen und hat 31 Mitglieder aus fünf Fraktionen. Ich bin eines der drei grünen Mitglieder und darüber hinaus Obfrau für meine Fraktion.
Nach der Ausschusssitzung findet am Nachmittag im Plenarsaal die so genannte "Fragestunde" statt. Hier beantworten Vertreter der Bundesregierung – meistens die Staatssekretärinnen und -sekretäre – Fragen der Abgeordneten. Um 16 Uhr stehen dann wieder zwei grüne Arbeitsgruppensitzungen auf dem Programm: zu den Themen Bildung und Forschung sowie Biotechnologie.
Donnerstag und Freitag sind für die Debatten im Plenum reserviert. Allerdings finden parallel auch weitere Sitzungen und wichtige Gesprächsrunden statt. Das ist auch der Grund, warum im Plenum häufig nur diejenigen Abgeordneten sitzen, die für das gerade debattierte Thema zuständig sind. Das ist kein Zeichen von Desinteresse, sondern eine notwendige Arbeitsteilung zwischen den Abgeordneten, ohne die das Parlament binnen kürzester Zeit nicht mehr arbeitsfähig wäre.
Am Freitagnachmittag steige ich dann wieder in den ICE und fahre zurück in meinem Wahlkreis. Hier geht es dann weiter mit der Arbeit vor Ort: Bürgersprechstunden, Besuche von Verbänden und Institutionen oder auch Parteiveranstaltungen stehen auf dem Programm – bis zur nächsten Sitzungswoche in der Hauptstadt.
Mit anderen Worten: Politik ist fast ein 24-Stunden-Job. Zu den vielen Sitzungen kommen natürlich auch noch etliche andere Dinge: Unmengen an Papieren lesen und auch schreiben, Telefonate, Gespräche mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, mit Kollegen, mit Bürgern, Besuchergruppen, Ministerien oder Verbänden. Dann muss ich mich natürlich auch fachlich auf dem Laufenden halten oder mich in neue Themen einarbeiten und an Fachveranstaltungen, Kongressen oder Empfängen teilnehmen. Meist sind nicht nur die Tage und Abende, sondern oft auch noch die Wochenenden von der politischen Arbeit bestimmt. Das ist zwar anstrengend, aber dennoch macht es mir nach wie vor Spaß. Daran zu arbeiten, dass sich die Lebensbedingungen in diesem Land zum Besseren wenden, ist befriedigend und lohnt letztlich den immensen Kraftaufwand.