
Dienstag, 9 Uhr, sitzungsfreie Woche im Bundestag: Ich sitze in meinem Regionalbüro in der Wetzlarer Altstadt, bewaffnet mit Notizzetteln, Stiften, Terminkalender. Mein Laptop steht aufgeklappt vor mir: Bereits den zweiten Tag rauchen unsere Köpfe: die meiner fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch meiner. Das Thema 'Weiterbildung' steht – neben vielen organisatorischen Dingen – als Schwerpunkt auf der Tagesordnung unserer ersten Büroklausur in meinem Wetzlarer Büro.
Den ersten Tag haben wir schon hinter uns gebracht. Meine Berliner Mitarbeiterinnen sind am Montag eigens mit dem Zug angereist, um bei dieser Gelegenheit auch meinen Wahlkreis einmal kennenzulernen; bislang fanden die Arbeitssitzungen immer in Berlin statt.
Es herrscht rege Betriebsamkeit. Ständig klingeln Telefone oder Handys. Per Email werden wir von dem im Berliner Büro 'Stallwache' haltenden Praktikanten mit den neuesten Tickermeldungen versorgt. Auch eine aktuelle Presseerklärung zum Fachkräftemangel muss noch an den Presseverteiler und die Agenturen geschickt werden: 'Normaler' Arbeitsalltag, aber eben doch nicht ganz normal. Wir diskutieren, planen, verwerfen und konzeptionieren neu, die Kaffeemaschine faucht auf Hochtouren. Auf dem Tisch steht ein Teller mit verschiedenen Sorten Bio-Käse, flankiert von Obst und Dinkel-Keksen, Brötchenkrümel werden von wichtigen Unterlagen gewischt.
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| Claudia Striffler, Juliane Amlacher, Stephanie Palapies, Priska Hinz, Knut Letzel und Christopher Lenz (v.l.n.r.) im Sitzungsraum des Regionalbüros in der Wetzlarer Weißadlergasse |
Die Ausgangslage: Durch die demografische Entwicklung in vielen Branchen fehlen bald Fachkräfte, und Ältere werden nicht mehr so früh wie heute aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Wir brauchen also besser und höher qualifizierte Menschen. Hohe Schulabbrecherquoten und schlechte PISA-Ergebnisse können wir uns auf Dauer nicht mehr leisten.
Die Antwort auf diese Herausforderungen fällt uns dann auch leicht: Sie kann nur in einer Stärkung des Lebenslangen Lernens liegen. Unser Ziel ist eine weiterbildungsaktive Gesellschaft, in der sich alle Menschen mehr als bisher weiterbilden. Denn Bildung sichert auch die Selbstständigkeit und soziale Integration jeder und jedes Einzelnen.
Schon lange fordern hier die GRÜNEN die Bundesregierung auf, endlich eine umfassende Strategie für Lebenslanges Lernen zu entwickeln. Sie muss das endlich zu einem zentralen Thema ihrer Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik machen.
Das aktuelle Konzept von Bildungsministerin Schavan ist gut gemeint, aber nicht ausreichend, finden wir. Statt ein bisschen Weiterbildungssparen hier und ein bisschen Weiterbildungsdarlehen dort brauchen wir ein Konzept zur Weiterbildung, die über die Finanzierung hinaus ein ganzes Bündel von Maßnahmen enthalten muss. Hier allerdings warten wir schon seit langem vergeblich auf die konkreten Vorschläge der Ministerin.
Schnell sind wir uns einig: Wichtig ist zum Beispiel eine intensive Weiterbildungsberatung, die auch und gerade die Betriebe unterstützen muss – vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen. Darüber hinaus muss das "Meister-BAföG" endlich zu einem Erwachsenenbildungsförderungsgesetz weiterentwickelt werden. Und es bedarf einer Insolvenzsicherung für Weiterbildungskonten, die in Betrieben bereits vereinbart wurden.
Für die Geringverdienenden fordern wir einen speziellen Anreiz zum Weiterbildungssparen: Bei einem Mindesteinsatz von fünf Euro monatlich soll diese Gruppe ein deutlich höhere Prämie bekommen; wir schlagen hier bis zu 120 Euro vor. Nur durch eine solche asymmetrische Förderung würde die Akzeptanz für einen eigenen Beitrag steigen und diese Gruppe endlich für mehr Weiterbildung gewonnen werden.
Die Runde einigt sich dann auch rasch darauf, im Herbst ein öffentliches Fachgespräch zur Finanzierung von Weiterbildung durchzuführen; dies mit dem Ziel, einen Gegenpunkt zu Schavans Bildungsspar-Konzept zu setzen. Zusätzlich werde ich auf einer "Weiterbildungstour" durch verschiedene Bundesländer die GRÜNEN Ideen vorstellen.
Das Fazit unserer Klausurtagung: leichter Schwindel durch zuviel Koffein, starker Schwund der Bestände an Bionade und Mineralwasser sowie die Gewissheit, dass Weiterbildung zum Zukunftsthema werden muss.
Weil wir uns selbst beim Wort nehmen wollen, besprechen wir zum Schluss noch die Themen und Termine der Weiterbildungskurse meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber auch meine, weil auch Abgeordnete eben immer noch dazulernen müssen.