Priska Hinz, MdB

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11. Oktober 2007

Gute Konjunktur verdeckt Strukturprobleme der Ausbildung

Zur Bilanz des Ausbildungsjahres 2006/07 erklärt Priska Hinz, bildungspolitische Sprecherin:

Es gibt mehr Ausbildungsplätze und weniger unversorgte Jugendliche. Das ist eine gute Nachricht. Insbesondere Kleine und Mittlere Unternehmen haben neue Ausbildungsplätze geschaffen. Daran sollten sich viele Großunternehmen, gerade auch die im DAX notierten, ein Beispiel nehmen.

Der konjunkturelle Aufschwung verdeckt jedoch die weiterhin gravierenden Strukturprobleme der Ausbildung. Es darf nicht vergessen werden, dass von den
734 000 Ausbildungsbewerberinnen und -bewerbern nur 43% tatsächlich eine betriebliche Ausbildung beginnen. 385 000 anderweitig "Versorgte" landen zu einem Großteil in Maßnahmen, die sich häufig als sinnlose Warteschleife entpuppen. So wird die große Zahl der Altbewerber nicht kleiner. Das ist aber dringend nötig, weil diese jungen Menschen eine Perspektive brauchen und Deutschland schon jetzt unter Fachkräftemangel leidet.

Die Bundesregierung hat weder eine Strategie noch ein System. Sie schraubt an einer Vielzahl von Programmen und Instrumenten, die keine echten Qualifizierungsbausteine sind. So lässt beispielsweise die Qualität der Einstiegsqualifizierung (EQJ) zu wünschen übrig, weil viele Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbraucht werden, nicht zur Berufsschule gehen oder kein Zertifikat bekommen. Trotzdem erhöht die Bundesregierung hier von 25.000 auf 40.000 Plätze. Auch der Qualifizierungskombilohn ist nicht durchdacht, weil er einen viel zu kleinen Bildungsanteil hat und unklar ist, wie erworbene Kompetenzen danach angerechnet werden.

Anstatt die bestehenden Maßnahmen zu verbessern, das Instrumentengestrüpp zu lichten und mehr auf Bildungserfolge für die Jugendlichen zu achten, sollen jetzt auch noch Ausbildungszuschüsse für Unternehmen geschaffen werden. Ob das den knapp 30 000 noch suchenden Jugendlichen weiterhilft, ist mehr als fraglich.

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