PRESSEMITTEILUNG
Datum: 20. Mai 2008
Schlechte Ausbildungsförderung ist Armutsrisiko
Zur Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes über die ineffektive Ausbildungsförderung benachteiligter Jugendlicher erklären Brigitte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin und Priska Hinz, bildungspolitische Sprecherin:Die Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes macht deutlich, wo die eigentlichen Armuts-Probleme begründet liegen: in einem Schulsystem, das zu viele Jugendliche mit Kompetenzen auf Grundschulniveau entlässt; in einem Ausbildungssystem, das diese Jugendlichen nicht integriert; und in einem Warteschleifensystem, das hunderttausende Jugendliche für 4-6 Milliarden Euro jährlich ohne echte Perspektive parkt.
Wer Armut bekämpfen will, muss diese Verschwendung von Lebenszeit und Ressourcen beenden und sollte nicht über Steuersenkungen schwadronieren.
Jugendliche brauchen eine vollwertige Ausbildung. Deshalb fordern wir, die duale Ausbildung um öffentlich bereitgestellte Ausbildungsplätze zu ergänzen. Diese Plätze sollen in einer stärkeren Kooperation von Berufsschulen, überbetrieblichen Zentren und Betrieben entstehen. Hier gilt das duale Prinzip, also starke Praxisanteile verschränkt mit theoretischer Ausbildung.
Außerdem muss die Regierung das Maßnahmendickicht in der Ausbildungsförderung lichten, anstatt immer neue Programme hinzuzufügen. Heute führen viele Maßnahmen ins Nirwana. Erworbene Kompetenzen müssen jedoch bescheinigt und auf eine spätere Ausbildung angerechnet werden.
Die Studie zeigt auch, dass Bundesarbeitsminister Scholz mit seinen kooperativen Jobcentern auf dem Holzweg ist. Passgenaue Hilfen für Jugendliche können nur auf lokaler Ebene aus einer Hand gestaltet werden. Scholz muss seinen zentralistischen Plan deshalb aufgeben und stattdessen die lokalen Kompetenzen und Spielräume stärken. Nur so können Jugendliche und Arbeitssuchende nach ihren individuellen Erfordernissen begleitet und gefördert werden.