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Die stärksten deutschen Unternehmen kommen in der Mehrzahl ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für die Ausbildung junger Menschen nicht nach – und das obwohl die konjunkturelle Entwicklung höchst erfreulich ist und viele Unternehmen und Wirtschaftsverbände über Fachkräftemangel klagen. Das ist das Ergebnis unserer Ausbildungsumfrage, die wir nun schon zum dritten Mal in Folge bei den 30 im DAX vertretenen Unternehmen durchgeführt haben.
Die durchschnittliche Ausbildungsquote der DAX-Unternehmen, die Zahlen geliefert haben, beträgt für das letzte Jahr gerade einmal 5,2%. Damit liegen die stärksten Unternehmen Deutschlands insgesamt bei der Ausbildung deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 6,5%. Nur ein Drittel liegt im oder über dem Durchschnitt. Im Vergleich zum Vorjahr stagniert die Entwicklung. Vergleicht man die Gruppe von Unternehmen, die sowohl 2006 als auch 2007 im DAX vertreten waren und brauchbare Angaben gemacht haben, ist keine Änderung der Ausbildungsquote insgesamt (5,2%) festzustellen.
Bei den wenigsten Unternehmen ist die Ausbildungsquote tatsächlich gestiegen. Dennoch verspüren die Unternehmen wohl aufgrund des öffentlichen Interesses einen erhöhten Rechtfertigungsdruck: Viele Konzerne antworteten dieses Mal wesentlich schneller, offener und ausführlicher. Wortreich wurde mitgeteilt, warum die Quote nicht so hoch sei, welche anderen Projekte zur Förderung Jugendlicher man unterstütze etc.
Auch wenn die meisten Unternehmen zügig auf unsere Anfrage antworteten, hat sich der Unwille einiger wieder deutlich gezeigt. Bei vielen musste mehrfach nachgehakt werden, einige machten zunächst unbrauchbare Angaben (Thyssen Krupp und Deutsche Post). Wie schon bei der letzten Umfrage weigerte sich die Deutsche Börse, überhaupt etwas zu ihrer Ausbildungssituation zu sagen. Auch SAP weigerte sich dieses Mal, über die Ausbildungsleistung des Unternehmens zu informieren. Transparente Unternehmensführung sieht aus unserer Sicht anders aus.
Die Spannweite der Ergebnisse ist auch dieses Mal wieder groß: mit 9% liegt MAN an der Spitze, mit 0,8% die Hypo Real Estate Holding am Ende. MAN, Allianz, Deutsche Bank und Siemens konnten ihre Quoten deutlich steigern, deutlich abgefallen sind dagegen die Quoten von Metro (von sehr hohem Niveau), Linde, Hypo Real Estate und Volkswagen.
|
Rang |
Unternehmen |
Quote 2007 |
Quote 2006 |
Quote 2005 |
|
28 |
Hypo Real Estate |
0,8 |
2,0 |
nicht im DAX |
|
27 |
adidas AG |
1,5 |
1,6 |
2,0 |
|
26 |
Deutsche Lufthansa |
1,7 |
1,9 |
Angaben nicht |
|
25 |
Deutsche Post AG |
2,2 |
Zahlen |
kA |
|
24 |
Infineon |
2,6 |
3,0 |
3,0 |
|
23 |
Deutsche Postbank |
3,1 |
3,1 |
neu im DAX |
|
22 |
Linde AG |
3,4 |
4,6 |
4,7 |
|
21 |
Continental AG |
4,0 |
3,9 |
3,9 |
|
20 |
DaimlerChrysler AG |
4,6 |
4,9 |
4,6 |
|
19 |
Henkel KGaA Vz |
4,6 |
4,6 |
4,5 |
|
18 |
Münchener Rück AG |
4,6 |
5,1 |
5,0 |
|
17 |
BMW AG St |
4,8 |
4,9 |
5,0 |
|
16 |
Siemens AG |
4,8 |
4,3 |
5,0 |
|
15 |
Allianz SE |
4,9 |
4,3 |
5,2 |
|
14 |
Volkswagen AG St |
4,9 |
5,4 |
4,4 |
|
13 |
ThyssenKrupp AG |
5,1 |
5,2 |
5,4 |
|
12 |
Merck KGaA |
5,7 |
nicht im DAX |
nicht im DAX |
|
11 |
Deutsche Bank AG |
6,0 |
5,5 |
Angaben nicht |
|
|
Durchschnitt aller |
6,5 |
6,5 |
6,4 |
|
10 |
RWE AG St |
6,7 |
6,5 |
6,0 |
|
9 |
TUI AG |
6,7 |
6,5 |
Angaben nicht |
|
8 |
BASF AG |
6,8 |
6,6 |
5,1 |
|
7 |
Commerzbank AG |
6,9 |
7,3 |
6,8 |
|
6 |
Fresenius Medical |
7,0 |
6,7 |
3,0 |
|
5 |
Deutsche Telekom |
7,3 |
7,0 |
Zahlen |
|
4 |
Bayer AG |
7,4 |
7,4 |
8,2 |
|
3 |
E.ON AG |
7,4 |
7,3 |
6,8 |
|
2 |
METRO AG St |
7,9 |
8,9 |
8,4 |
|
1 |
MAN AG St |
9,0 |
7,0 |
7,0 |
|
|
|
|
|
|
|
|
Deutsche Börse AG |
Angabe |
Angabe |
Angabe |
|
|
SAP AG |
Angabe |
2,0 |
Angabe |
Es ist seit Jahren bekannt, dass kleine und mittlere Betriebe überdurchschnittliche Ausbildungsleistungen erbringen, während Großunternehmen deutlich unter dem Soll bleiben. Nach den Kriterien der Deutschen Börse AG sind im Deutschen Aktienindex die stärksten Firmen Deutschlands vertreten. Von ihnen kann erwartet werden, dass sie mindestens in einem durchschnittlichen Maße für die Ausbildung Jugendlicher sorgen, wenn nicht sogar in besonderem Maße. Denn sie tragen aufgrund ihrer Größe und Stärke auch eine besondere gesellschaftliche Verantwortung für Deutschland.
Wir berechnen die Ausbildungsquote als eine "echte" Quote, d.h. als Anteil der Auszubildenden an allen Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten inklusive der Auszubildenden in Deutschland. Erfasst werden Auszubildende in dualer Ausbildung, also keine Trainees, Volontäre, Praktikanten o.ä. Dies entspricht der Erhebungsmethode im Berufsbildungsbericht.
Einige Unternehmen berechnen die Quote als "unechte" Quote, d.h. den Anteil der Azubis an den Beschäftigten ohne Auszubildende. Dadurch kommen wir bei einigen Unternehmen zu einer niedrigeren Quote, als von Ihnen angegeben wurde. Manche Unternehmen weisen zudem die Anzahl ihrer Beschäftigten nicht in Vollzeitäquivalenten aus, weshalb es zu Messungenauigkeiten kommen kann.
Die durchschnittliche Ausbildungsquote in Deutschland beträgt laut aktuellem Berufsbildungsbericht 6,5% (Zahlen für 2006). Es zeigt sich, dass die betriebliche Ausbildung von kleineren und mittleren Unternehmen getragen wird. Bei Unternehmen mit 1-9 bzw. 10-49 Beschäftigten betragen die Ausbildungsquoten 8,1% bzw. 7,1%. Bei jenen mit 500 und mehr Beschäftigten dagegen nur 5,5%.
Würden die großen Unternehmen ihrer Ausbildungsverantwortung so nachkommen, wie der Mittelstand dies tut, gäbe es keine Krise am Ausbildungsstellenmarkt. Denn würde die Gesamtwirtschaft auf eine Ausbildungsquote von circa 7% kommen, gäbe es eine ausgeglichene Angebot-Nachfrage-Relation.