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15. Juni 2008

Können Hessens Unis nicht von Unis anderer Länder abgehängt werden, weil diese auf Dauer mehr Geld zur Verfügung haben?

Aktuelle Fragestellungen 'Nachgefragt bei Priska Hinz' der Wetzlarer Neuen Zeitung

Frage WNZ:

In einigen deutschen Ländern werden Studiengebühren erhoben, in anderen nicht. Liegt darin nicht die Gefahr, dass wirtschaftlich schwächere Studenten am Ende die billigen, aber schlechter ausgestatteten  Unis in Deutschland auswählen, während die gut betuchten Studenten und die mit Stipendien die gebührenpflichtigen, besseren aussuchen? Und: Könnten Hessens Unis nicht abgehängt werden, weil die anderen auf Dauer eben doch mehr Geld zur Verfügung haben?

 

Priska Hinz:

Wir brauchen mehr Akademikerinnen und Akademiker – und somit auch mehr Studierende als bisher. Nur wenn wir in die Köpfe unserer jungen Leute mehr als bisher investieren, können wir langfristig international wettbewerbsfähig sein. Allerdings sind alle Hochschulen in Deutschland unterfinanziert und können die notwendige Lehrqualität und Lehrkapazität nicht aufbringen. Es wäre ein Irrglaube, zu meinen, dass dies mit Studiengebühren aufzufangen wäre.

Für die hessischen Hochschulen wird es mit Abschaffung der Studiengebühren keine finanziellen Einbußen geben, da die Einnahmeausfälle aus dem Landeshaushalt finanziert werden. Die Zuweisung der Mittel erfolgt zweckgebunden zur Verbesserung der Studienbedingungen und der Qualität der Lehre. Durch die gesetzliche Regelung der Kompensation wird sichergestellt, dass die Mittel den Hochschulen dauerhaft zur Verfügung stehen.

Die Einnahmen aus den Studiengebühren von etwa 92 Millionen Euro haben im Vergleich zu den Gesamtausgaben an den Hochschulen des Landes von etwa 1,7 Milliarden Euro kaum eine Rolle gespielt.

Hochschulen sollten in Zukunft die Studienbedingungen verbessern. Dafür wollen wir die Exzellenzinitiative um die Säule "Gute Lehre" erweitern. Der Hochschulpakt von Bund und Ländern muss die Anzahl der Studienplätze noch erhöhen und besser finanzieren. Ein Vorschlag, wie die Hochschulfinanzierung bundesweit den Studierenden an die jeweilige Hochschule folgt, liegt auch vor. Es fehlt bislang nur am politischen Willen, dies umzusetzen. Außerdem sollten Hochschulen mehr Autonomie bei der Auswahl ihrer Studierenden und ihrer Organisation und Schwerpunktsetzung erhalten. Dann könnten sie im Wettbewerb besser bestehen.

Durch finanzielle Anreize aus den Innovationsbudgets wollen wir die Hochschulen zu solchen Reformen ermuntern.