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Zur Bildungsreise der Bundeskanzlerin in eine Kindertagesstätte in Frankfurt am Main und die ev. FH Darmstadt, erklären Priska Hinz, bildungspolitische Sprecherin, und Kordula Schulz-Asche, sozialpolitische Sprecherin und Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag:
Die Bundeskanzlerin entdeckt plötzlich die Bildungspolitik als Chefsache. Damit will sie verdecken, dass sie nach der Föderalismusreform "Königin ohne Land" ist. Damit der Bildungsgipfel im Oktober zu einem wirklichen Erfolg wird, müssen alle Beteiligten verbindliche Zusagen treffen. Das gilt insbesondere für die Aufhebung des Kooperationsverbotes, ohne die die Neuauflage eines Ganztagsschulprogramms zur individuellen Förderung von Kindern unmöglich ist.
Auch für Verbesserungen in der Kinderbetreuung und frühkindlichen Bildung zeigt sich, wie wichtig eine Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern ist. Jedes Kind muss ab der Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen qualitativ hochwertigen, ganztägigen Kita-Platz haben. Hier sind zuallererst die Länder gefordert, belastbare Finanzierungszusagen zu liefern. Wir brauchen aber auch eine Qualitätsoffensive unter Beteiligung des Bundes und einheitliche Qualitätsstandards für die Kinderbetreuung. Nur so können möglichst viele Kinder früh von guter Bildung profitieren um die Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft zu entkoppeln.
Die Rundreise durch die Bundesländer nun gerade in Hessen zu beginnen, entbehrt nicht der Ironie. Roland Koch steht für eine jahrelange ideologisierte Bildungspolitik sowie eine späte und unzureichende frühkindliche Bildung. Es gibt gute Modelle in Hessen, die sich aber eher trotz der Landespolitik und nicht wegen ihr entwickelt haben. Und es gibt zu wenige Beispiele, von denen sich Frau Merkel für verbindliche Vereinbarungen zum Bildungsgipfel inspirieren lassen kann.
Eines davon ist der Bachelor-Studiengang "Erziehung im Elementarbereich", der zum Sommersemester 2009 an der FH Gießen-Friedberg eingeführt werden wird. Als dualer Studiengang konzipiert, setzt er neue Qualitätsmaßstäbe in der Ausbildung von Erziehern und Erzieherinnen für Leitungsaufgaben. Damit gibt es endlich eine Möglichkeit der Durchlässigkeit und des Aufstiegs für Erziehungskräfte, die lange auf Unterstützung durch die hessische Landesregierung warten mussten.
Man sagt, Reisen bildet. Spätestens zum Bildungsgipfel im Oktober werden wir sehen, inwieweit die Bildungsreise der Kanzlerin zu einem wirklichen Kompetenz- und Finanzierungsgipfel führt oder doch nur wieder in der Ebene der Showeinlagen endet. Und auch in Hessen wird dann die Bedeutung der Bildungspolitik neu definiert werden.
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