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Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in letzter Zeit weiter verbessert – soweit die gute Nachricht. Ein Grund zum Feiern besteht deswegen aber kaum: Es ist hauptsächlich die ausgesprochen gute Konjunktur der letzten Jahre, die diesen kräftigen Anstieg beim Lehrstellenangebot bewirkt hat.
Angesichts der zu erwartenden Abschwächung des Wirtschaftswachstums können wir uns ein Ausruhen auf der Konjunkturdividende aber auf keinen Fall leisten. Eine wirkliche Reform des Ausbildungsmarkts, das ist es, was wir jetzt brauchen. Jetzt nicht zu handeln bedeutet, dass eine Rückkehr zur alten Lehrstellenmisere vorprogrammiert ist. Um hier vorzusorgen haben wir Grüne ein Reformkonzept für das duale Ausbildungssystem entwickelt – DualPlus. Damit wollen wir drei zentrale Reformen umsetzen.
Erstens müssen wir zusätzliche Ausbildungsplätze nach dem dualen Prinzip schaffen. Wir Grüne fordern die Einrichtung von überbetrieblichen Ausbildungsstätten (ÜBS) als dritten Lernort neben Berufsschule und Betrieb. Dort lernen Auszubildende nach dem dualen Prinzip, hohe betriebliche Anteile sind einbezogen. ÜBS werden gemeinsam von Berufsschulen und Kammern organisiert und von Kammern, Ländern, BA und Bund finanziert. Mit DualPlus können dadurch mehr betriebliche Ressourcen für die Ausbildung gewonnen werden, insbesondere bei Unternehmen ohne Ausbildungstradition, bei kleinen Betrieben oder bei sehr spezialisierten Betrieben. Denn sie müssen nicht die Verantwortung für eine komplette Ausbildung übernehmen, sondern können auch einzelne Module anbieten.
Zweitens müssen wir endlich das Übergangssystem abschaffen, indem immer noch hunderttausende Jugendliche ihre Lebenszeit verschwenden. Statt sinnlosen Warteschleifen brauchen wir zertifizierte Ausbildungsbausteine, die aufeinander aufbauen und anerkannt werden. Damit kein Qualifizierungsschritt mehr ohne Abschluss, Anerkennung und Anrechnung bleibt, werden die bestehenden Übergangsmaßnahmen zwischen Schule und Ausbildung in DualPlus überführt: Ein Teil wird zu Grundmodulen der Ausbildung, ein Teil geht in Produktionsschulen auf. Auszubildende, die zusätzliche Förderung brauchen, werden von der ÜBS beraten und begleitet. Sie bekommen nicht weniger, sondern mehr Lernzeit. Sie haben die Möglichkeit, Module in einem längeren Zeitraum zu absolvieren oder zwischen zwei Modulen einen passgenauen Förderkurs zu absolvieren.
Drittens wollen wir für alle Schulabbrecher Produktionsschulen einrichten. Hier sollen Schulabbrecher im und aus dem Arbeitsprozess lernen und einen Schulabschluss nachholen.
Grundlage für diese dringend nötigen Reformen ist die Neustrukturierung der gesamten Berufsausbildung. Sie wird in bundesweit anerkannten Modulen organisiert. Die Wahrung des Berufsprinzips bleibt durch die Inhalte der Module und die Kammerabschlussprüfung erhalten. Durch Modularisierung werden Teilschritte der Ausbildung besser anerkannt und angerechnet, das Bildungssystem wird durchlässiger.
Unser Konzept DualPlus bietet mit der Neuorganisation des gesamten Ausbildungssystems einen schlüssigen Ansatz für mehr Lehrstellen und eine höhere Flexibilität in der Berufsausbildung. Jetzt ist Zeit zu handeln! Die Große Koalition muss endlich die dringend nötigen Reformen anpacken und darf sich nicht länger auf den wirtschaftlichen Erfolgen der Vergangenheit ausruhen.