

Frühkindliche Förderung ist einer der wichtigsten Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit. Erst durch frühe Förderung können ungleiche Startchancen ausgeglichen und das Recht auf Bildung für alle Kinder von Anfang an verwirklich werden. Doch hierzulande fehlen schlichtweg die Voraussetzungen dafür. Von einem bedarfsdeckenden Angebot an Kindertagesbetreuung vor allem für Kinder unter 3 Jahren sind wir noch weit entfernt. Es fehlt insgesamt an ganztägigen Angeboten und die Öffnungszeiten sind oft unflexibel und lebensfern. An vielen Stellen wird das Angebot modernen Anforderungen an die pädagogische Qualität nicht gerecht und die frühkindliche Bildung wird nicht groß genug geschrieben. Wenn in Deutschland die Abhängigkeit zwischen Bildungserfolgen und sozialer Herkunft ganz besonders hoch ist, liegt das maßgeblich auch an dieser Vernachlässigung früher Bildung. Im gesamten vorschulischen Bereich fehlt es noch an verbindlichen Qualitätsstandards und Qualitätssicherungsinstrumenten. Auch bei der Quantität des Angebots herrscht noch Mangel.
Wir brauchen einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Kinder ab dem 1. Lebensjahr. Kinderbetreuungseinrichtungen müssen zu Orten umfassender Förderung werden. Wir fordern eine Qualitätsoffensive, die ihren Namen verdient und ein bundeseinheitliches Qualitätssiegel für Kinderbetreuungseinrichtungen.
Es muss Kriterien wie Gruppengröße, Personalschlüssel, Raum- und Sachausstattung genauso berücksichtigen wie pädagogische Qualität, Bildungsangebote und gesunde Mahlzeiten. Ziel ist dabei zum Beispiel eine zusätzliche Fachkraft pro Gruppe im Bundesdurchschnitt.
Der Bund ist gefordert, an einer solchen Qualitätsoffensive mitzuwirken. Es reicht bei weitem nicht aus, 80.000 Erzieherinnen via Internet weiterzubilden, wie es die Bundesbildungsministerin vorgeschlagen hat. Vielmehr muss die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher grundlegend verbessert werden. Pädagogische Arbeit mit Kindern verdient höhere gesellschaftliche Wertschätzung, bessere Bezahlung und attraktive berufliche Entwicklungsperspektiven. Dazu fordern wir ergänzend zum bisherigen Beruf der Erzieherin bzw. des Erzieher die Einrichtung von Studiengängen und Berufsbegleitenden hochschulischen Angeboten zur akademischen Ausbildung von Frühpädagoginnen und Frühpädagogen. Mehr ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher müssen die Chance auf einen Abschluss auf Hochschulniveau erhalten. Mittelfristig sollte pro Kindergruppe eine Fachkraft mit Hochschulabschluss tätig sein.
Um Eltern in ihren Erziehungskompetenzen zu stärken, setzen wir uns für die Erweiterung von Kindertageseinrichtungen zu Eltern-Kind-Zentren ein. Eine fundierte, obligatorische Grund- und Weiterqualifizierung von Tagesmüttern ist ebenfalls unerlässlich. Ferner muss dafür gesorgt werden, dass sich Elternbeiträge nicht als Zugangshürden für Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Familien auswirken, so dass sie von frühkindlicher Förderung ausgeschlossen werden. Elternbeiträge müssen sozial gerecht gestaltet sein und schrittweise abgebaut werden. Zunächst soll jeweils ein Betreuungsjahr gebührenfrei sein.