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Stammzellforschung

13. März 2009

Äußerungen des DIHK-Präsidenten zu Atom- und Stammzellforschung gefährlich naiv

Mikrobiologie

Zu den heutigen Äußerungen des DIHK-Präsidenten Braun zu Atom- und Stammzellforschung erklärt Priska Hinz, forschungspolitische Sprecherin:

Die Äußerungen Brauns zeugen von einer gefährlichen Forschungsnaivität und einer Missachtung ethischer Grenzen für Forschung. Das eine Auge von Braun ignoriert die Fakten, das andere ist ethisch blind. Mit der Begründung, es gebe keine gute oder böse Forschung, man könne nur deren Ergebnisse bewerten, fordert Braun völlige Freiheit für Atom- und Stammzellforschung. Er lehnt damit jegliche Bindung der Forschung an ethische Kriterien ab. Das ist verantwortungslos. Es ist Aufgabe der Politik, nach breiter gesellschaftlicher Debatte der Forschung Grenzen zu ziehen, wenn das hohe Gut der Forschungsfreiheit mit anderen hohen Gütern in Konflikt steht, wie beispielsweise dem Schutz menschlichen Lebens.

Dies ist im Fall der embryonalen Stammzellforschung geschehen. Das Parlament hat mit dem Stammzellgesetz eine solche Entscheidung getroffen, die Ergebnis eines breiten gesellschaftlichen Dialoges ist und bis zum Schluss umstritten war. Letztes Jahr wurde der Stichtag für den Import von embryonalen Stammzellen verschoben und damit das Stammzellgesetz gelockert. Bisher wurde allerdings von den neuen Möglichkeiten kein Gebrauch gemacht. Die alten Stammzelllinien werden von den Forschern weiter verwendet. Eine völlige Freigabe ist nicht zu vertreten und auch nicht notwendig, um Forschung in diesem Bereich zu ermöglichen. Adulte Stammzellforschung ist bis heute erfolgreicher und ethisch unbedenklich.

Im Fall der Atomenergie liegen nicht nur umfangreiche Forschungsergebnisse sondern auch jahrzehntelange Erfahrungen mit dieser Technologie vor. Es handelt sich um eine nicht beherrschbare Technologie, die bei kleinen menschlichen Fehlern verheerende Folgen haben kann. Das sollte eigentlich jeder seit Tschernobyl wissen. Die Endlagerfrage ist immer noch nicht gelöst. Die gesellschaftlichen Folgekosten der Atomenergie sind enorm und unkontrollierbar, wie nicht zuletzt die skandalösen Vorgänge in Asse gezeigt haben. Wie viele Ergebnisse braucht Herr Braun denn noch, bevor er eine Bewertung der Atomenergie vornehmen will?

 

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