Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Im Jahre 2002 fand in Johannesburg der Weltgipfel der Vereinten Nationen zum Thema nachhaltige Entwicklung statt. Zur Umsetzung der Beschlüsse dieses Gipfels wurden die Jahre 2005 – 2014 als UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgerufen. Die UNESCO wurde mit der internationalen Koordinierung der Dekade beauftragt. Für die Realisierung der Dekade in Deutschland wurde die Deutsche UNESCO-Kommission betraut, welche auf Grundlage des Beschlusses des Bundestages und im Auftrag der Bundesregierung die Umsetzung koordiniert.
Die Vision der Weltdekade ist es, das Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklung weltweit in allen Bildungsbereichen zu verankern. Alle Menschen sollen die gleiche Chance auf Bildung haben, die es ihnen ermöglicht, globale Herausforderungen und Probleme zu erkennen, sich ihnen zu stellen und Lösungen zu entwickeln.
Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung hat 1987 das Konzept der nachhaltigen Entwicklung erarbeitet. Dem Konzept liegt die Erkenntnis zugrunde, dass eine Fortführung des industriegesellschaftlichen Modells einen drastischen Zuwachs an ökologischen Problemen, ökonomischen Ungleichheiten und sozialer Ungerechtigkeit auf der Welt zur Folge hätte. Die Lebens- und Wirtschaftsweise der Industriestaaten gilt als nicht nachhaltig und daher nicht als zukunftsfähig. Nachhaltige Entwicklung verfolgt demnach das Ziel, wirtschaftlichen Fortschritt mit sozialer Gerechtigkeit und dem Schutz unserer natürlichen Lebenswelt zu verknüpfen. Neben diesen drei Dimensionen spielen die Prinzipien der globalen Verantwortung, die Vielfalt der Kulturen und politische Teilhabe der Bevölkerung eine wesentliche Rolle für Nachhaltigkeit.
Nachhaltige Entwicklung im Interesse künftiger Generationen und globaler Gerechtigkeit ist also eine ökologisch, ökonomisch und sozial ausgewogene Entwicklung der Welt, "die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält" (Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987).
Nachhaltigkeit ist das Leitmotiv für das 21. Jahrhundert. Weltweit herrscht Einigkeit darüber, dass nachhaltiges Denken und Handeln so schnell wie möglich in die Realität umgesetzt werden müssen. Die Idee der Nachhaltigkeit kann aber nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie als Maßstab für Entscheidungen im Alltag der Menschen verankert ist. Dabei kommt der Bildung für nachhaltige Entwicklung eine zentrale Rolle zu. Denn engagierte Partizipation an den gesellschaftlichen Prozessen der nachhaltigen Entwicklung kommen nicht von ungefähr – der Weg dahin führt über die Bildung.
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) soll das Wissen und die Kompetenzen vermitteln, die notwendig sind, um eine verantwortungsvolle Gestaltung der Gesellschaft aktiv vorantreiben zu können. Sie soll außerdem Werte und Prinzipien fördern, die Basis nachhaltiger Entwicklung sind, wie z.B. Toleranz, Armutsminderung und Bewahrung der natürlichen Ressourcen. Darüber hinaus muss Bildung für nachhaltige Entwicklung die Komplexität und gegenseitige Abhängigkeit der drei Dimensionen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft mit einbeziehen. Sie bezieht sich auf alle Bereiche des Bildungssystems – von frühkindlichen Tageseinrichtungen über Hochschulen bis zu Weiterbildungseinrichtungen, wobei auch informelles und lebenslangen Lernen eine immer wichtigere Rolle spielen.
Neben der Vision verfolgt die Weltdekade folgende konkrete Ziele: Zum Einen soll die Qualität der Bildung durch BNE verbessert und den Ländern neuartige Möglichkeiten geboten werden, BNE in ihre Bildungsstrukturen- und reformen zu integrieren. Zum Anderen soll den Ländern geholfen werden, die Millenniumsentwicklungsziele mit BNE zu erreichen. Darüber hinaus ist es Ziel der Dekade, die Bildung von Netzwerken und Kooperationen zwischen Entscheidungsträgern der BNE zu ermöglichen und zu erleichtern.
Um die Umsetzung der UN-Dekade in Deutschland zu koordinieren, hat die Deutsche UNESCO – Kommission (DUK) im Mai 2004 ein Nationalkomitee eingesetzt. Ihm gehören um die 30 Akteure aus Bundesregierung, Parlament, Ländern, Nichtregierungsorganisationen, Privatwirtschaft, Medien und Wissenschaft an. Das Nationalkomitee führt über 100 Projekte, Partner und Initiativen aus dem Bildungsbereich zusammen und hat einen nationalen Aktionsplan für die Weltdekade entwickelt. Dieser beschreibt die wesentlichen Ziele der Dekade für Deutschland und enthält über 60 Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele. Außerdem nennt er verschiedene Überprüfungskriterien für deren Umsetzung.
Zur Halbzeit der Dekade findet vom 31. März bis zum 02. April 2009 in Bonn die "UNESCO-Weltkonferenz Bildung für nachhaltige Entwicklung" statt. Sie soll als Startschuss für die zweite Hälfte der Weltdekade dienen und wird von der UNESCO zusammen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Kooperation mit der DUK organisiert. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen die Erörterung der Relevanz von BNE für die Bildungsqualität allgemein und der internationale Austausch über BNE vor allem zwischen den Ländern des Nordens und des Südens. Desweiteren soll die bisherige Umsetzung der UN-Dekade ausgewertet und Strategien für die weitere Vorgehensweise entwickelt werden. Am Ende der Konferenz soll außerdem eine Erklärung verabschiedet werden, welche die Ergebnisse der Veranstaltung festhält und Leitlinien für die Umsetzung der zweiten Hälfte der Dekade empfiehlt. Zu der Konferenz werden über 700 Teilnehmer aus allen Teilen der Welt erwartet.