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Auch das Ergebnis unserer vierten Ausbildungsumfrage ist enttäuschend. Trotz der sehr guten konjunkturellen Lage im Jahr 2008 und dem immer wieder von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden beklagten Fachkräftemangel ist die Ausbildungsquote der stärksten deutschen Unternehmen um 0,11% gesunken und liegt jetzt bei 5,1 %. Damit kommen die 30 im DAX vertretenen Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für die Ausbildung junger Menschen überwiegend nicht nach.
Obwohl sich die Konjunktur im Jahr 2008 auf ihrem Höhepunkt befand und die Arbeitslosenzahlen auf ein Rekordtief sanken, konnte der Ausbildungsmarkt davon nicht profitieren. Die durchschnittliche Ausbildungsquote stagniert in Deutschland laut aktuellem Bildungsbericht bei 6,5% (Zahlen für 2007) und liegt damit immer noch unter dem Zielwert von 7%. Die Ausbildungsquote der 30 DAX-Unternehmen fiel sogar um 0,11% auf 5,1%. Somit liegen die größten deutschen Unternehmen nach wie vor deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Nur ein knappes Drittel liegt im oder über dem Durchschnitt. Hier stagniert die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr.
Die Spannbreite der Ergebnisse ist wie auch im letzten Jahr sehr groß. Während die Deutsche Bank AG eine Ausbildungsquote von 10,2% erreicht und diese im Vergleich zum Vorjahr um 4,2% steigert, kommt die Deutsche Börse AG bei lediglich 4 Auszubildenden auf eine Quote von 0,25%. Auf hohem Niveau konnte neben der Deutsche Bank AG lediglich die Deutsche Telekom AG zulegen. Sie verbesserte ihre Ausbildungsquote um 1,9% auf 9,2%. Absteiger im Jahr 2008 sind die MAN AG mit -3,51% und die Münchner Rück AG mit -3,5%.
Leider ist nur bei 2 Unternehmen die Ausbildungsquote nennenswert, also um mehr als ein halbes Prozent, gestiegen. Dennoch scheint das Bewusstsein für die gesellschaftliche Verantwortung vorhanden zu sein. Die meisten Konzerne antworteten schnell, offen und ausführlich. Einige schienen auf Grund ihrer geringen Ausbildungsquote besonderen Rechtfertigungsdruck zu verspüren und teilten uns umfassend mit, aus welchen Gründen ihre Quote so gering ausfällt.
Leider gab es auch dieses Jahr wieder einige schwarze Schafe, die trotz mehrmaliger Aufforderung unserer Bitte nach Veröffentlichung ihrer Daten zur Ausbildungsquote nicht nachkommen wollten. Die Henkel KG und SAP AG haben uns trotz mehrfacher Aufforderung keine Rückmeldung zu ihrer Ausbildungsleistung gegeben.
Es ist seit Jahren bekannt, dass kleine und mittlere Betriebe überdurchschnittliche Ausbildungsleistungen erbringen, während Großunternehmen deutlich unter dem Soll bleiben. Nach den Kriterien der Deutschen Börse AG sind im Deutschen Aktienindex die stärksten börsennotierten Firmen Deutschlands vertreten. Von ihnen kann erwartet werden, dass sie mindestens in einem durchschnittlichen Maße für die Ausbildung Jugendlicher sorgen, wenn nicht sogar in besonderem Maße. Denn sie tragen aufgrund ihrer Größe und Stärke auch eine besondere gesellschaftliche Verantwortung für Deutschland.
Wir berechnen die Ausbildungsquote als eine "echte" Quote, d.h. als Anteil der Auszubildenden an allen Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten inklusive der Auszubildenden in Deutschland. Erfasst werden Auszubildende in dualer Ausbildung, also keine Trainees, Volontäre, Praktikanten o.ä. Dies entspricht der Erhebungsmethode im Berufsbildungsbericht. Einige Unternehmen berechnen die Quote als "unechte" Quote, d.h. den Anteil der Azubis an den Beschäftigten ohne Auszubildende. Dadurch kommen wir bei einigen Unternehmen zu einer niedrigeren Quote, als von Ihnen selbst angegeben wurde. Manche Unternehmen weisen zudem die Anzahl ihrer Beschäftigten nicht in Vollzeitäquivalenten aus, weshalb es zu Messungenauigkeiten kommen kann.
Würden die großen Unternehmen ihrer Ausbildungsverantwortung so nachkommen, wie der Mittelstand dies weitgehend tut, gäbe es keine Krise am Ausbildungsstellenmarkt. Denn würde die Gesamtwirtschaft auf eine Ausbildungsquote von circa 7% kommen, gäbe es eine ausgeglichene Angebot-Nachfrage-Relation.
Nachdem nun bereits im vergangenen konjunkturell sehr guten Jahr die Ausbildungsquote der DAX-Unternehmen gesunken ist, müssen wir 2009 auf Grund der Wirtschaftskrise mit einem weiteren Einbruch bei der Ausbildungsleistung rechnen. Nach einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) beabsichtigen 25 % aller Betriebe aufgrund der Krise 2009 weniger Lehrstellen anzubieten. Dabei ist es vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels im ureigensten Interesse der Unternehmen, auch in der Krise in ihren Ausbildungsbemühungen nicht nachzulassen. Denn wer jetzt nicht ausbildet, dem fehlen im nächsten Aufschwung die Fachkräfte.
|
Unternehmen |
Quote 2008 (in %) |
Quote 2007 (in %) |
Quote 2006 (in %) |
|
Deutsche Börse AG |
0,25% |
k.A. |
k.A. |
|
Münchener Rück AG |
1,11% |
4,60% |
5,10% |
|
Hannoversche Rückversicherung AG |
1,77% |
nicht im DAX |
nicht im DAX |
|
adidas AG |
1,81% |
1,50% |
1,60% |
|
Deutsche Post AG |
2,09% |
2,20% |
Zahlen unbrauchbar |
|
Deutsche Lufthansa AG |
2,10% |
1,70% |
1,90% |
|
Linde AG |
3,41% |
3,40% |
4,60% |
|
Allianz SE |
3,70% |
4,90% |
4,30% |
|
BMW AG St |
4,10% |
4,80% |
4,90% |
|
DaimlerChrysler AG |
4,60% |
4,60% |
4,90% |
|
Merck |
4,79% |
5,70% |
nicht im DAX |
|
Fresenius SE |
4,91% |
nicht im DAX |
nicht im DAX |
|
Volkswagen AG St |
4,93% |
4,90% |
5,40% |
|
Siemens AG |
5,00% |
4,80% |
4,30% |
|
ThyssenKrupp AG |
5,21% |
5,10% |
5,20% |
|
MAN AG St |
5,49% |
9,00% |
7,00% |
|
Salzgitter AG |
5,59% |
nicht im DAX |
nicht im DAX |
|
K & S AG |
5,96% |
nicht im DAX |
nicht im DAX |
|
Beiersdorf AG |
6,09% |
nicht im DAX |
nicht im DAX |
|
RWE AG St |
6,68% |
6,70% |
6,50% |
|
BASF AG |
6,77% |
6,80% |
6,60% |
|
Commerzbank AG |
6,99% |
6,90% |
7,30% |
|
Fresenius Medical Care AG & Co. |
7,20% |
7,00% |
6,70% |
|
Bayer AG |
7,25% |
7,40% |
7,40% |
|
E.ON AG |
7,31% |
7,40% |
7,30% |
|
METRO AG St |
8,00% |
7,90% |
8,90% |
|
Deutsche Telekom AG |
9,20% |
7,30% |
7,00% |
|
Deutsche Bank AG |
10,20% |
6,00% |
5,50% |
|
SAP AG |
k.A. |
k.A. |
2,00% |
|
Henkel KGaA Vz |
k.A. |
4,60% |
4,60% |
|
|
|
|
|
|
Gesamt |
5,10% |
5,21% |
5,10% |