Priska Hinz, MdB

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"Der Sprung auf die bundespolitische Ebene war eine Herausforderung!"

Priska_SteinFrau Hinz, Sie sind Berufspolitikerin und seit vielen Jahren politisch aktiv. Wann begann Ihr politisches Engagement und wie kamen Sie zu den GRÜNEN?

Priska Hinz: Mein parteipolitisches Engagement begann 1980. Durch die Mitarbeit in der Bürgerinitiative gegen die "Startbahn West" kam ich mit der GRÜNEN Partei in Kontakt, der das Umweltthema besonders wichtig war. Damals arbeitete ich in Frankfurt als Erzieherin - und mir wurde klar, wie die zunehmende Umweltverschmutzung zum Problem für unsere Kinder wurde. Da fiel mir die Entscheidung leicht, in die Partei einzutreten.
Auch in der Sozial- und Familienpolitik hatten DIE GRÜNEN aus meiner Sicht schon damals die besten Konzepte, was meine Entscheidung nur noch bestärkt hat.

Was motiviert Sie, Politik zu machen?

Mich motiviert, Einfluss auf gesellschaftliche Veränderungen zu nehmen. Es reicht nicht, nur zu meckern. Ich will die Probleme tatsächlich lösen. Es ist zwar anstrengend, macht mir aber auch Spaß, mit vielen unterschiedlichen Leuten zu überlegen, wie man Rahmenbedingungen für mehr Gerechtigkeit gestalten kann.

Sie waren lange Zeit in Hessen in der Landespolitik aktiv, sie waren Fraktionsvorsitzende, Staatssekretärin und auch Landesministerin. Wieso sind Sie auf die bundespolitische Bühne gewechselt?

Ich war nicht nur in der Landespolitik sondern auch auf der kommunalen Ebene aktiv - in kommunalen Parlamenten und auch als Dezernentin.
Nach den vielen Jahren Kommunal- und Landespolitik war der Sprung auf die bundespolitische Ebene noch einmal eine Herausforderung, mich mit neuen Themen zu befassen, aber auch Politik in größeren Zusammenhängen zu erleben. Dies gilt vor allem für die Außenpolitik.

Was war Ihr bislang größter politischer Erfolg?

Das bis dahin in Hessen einmalige Tagespflegeprojekt mit der Qualifizierung, Beratung und Vermittlung sozial abgesicherter Tagesmütter und –väter durch- und umzusetzen. Es war Vorläufer der Tagespflegebüros der Hessischen Landesregierung.

Und worauf sind Sie besonders stolz?

Den Zweiflern zu beweisen, dass es möglich ist, als junge (!) und GRÜNE (!) Politikerin im Amt der Stadtkämmerin und Dezernentin für Jugend, Kultur und Sport erfolgreich zu sein. Ich war bei meiner Wahl 30 Jahre alt.

Ihre Schwerpunktthemen im Bundestag sind Bildung und Forschung. Warum gerade diese beiden Themenfelder?

Beides sind wichtige Zukunftsfelder in der Politik. Da ich bereits sowohl auf kommunaler als auch auf Landesebene politisch in den Themenbereichen Bildung und Wissenschaftspolitik gearbeitet habe, kann ich meine Kompetenzen nun auch gut auf der bundespolitischen Ebene einbringen.

 

"Mir ist es wichtig, für richtige Rahmenbedingungen zu sorgen."

Was ist Ihnen in der Bildungspolitik besonders wichtig? Wofür kämpfen Sie?

Besonders wichtig ist es mir, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die Bildungsgerechtigkeit herstellen können. Kinder und Jugendliche aus besonders benachteiligten Familien müssen die notwendige Förderung erhalten, damit ihr Bildungsabschluss nicht mehr von ihrer Herkunft abhängig ist.
Ich kämpfe für frühzeitige und individuelle Förderung, längeres gemeinsames Lernen, ausreichende und qualifizierte Ausbildungsplätze und gute Bedingungen für lebenslanges Lernen.

Forschung war bei den GRÜNEN bisher ein nicht sehr bedeutsames Thema. Mehr noch: Den GRÜNEN wird sogar nachgesagt, dass sie forschungsfeindlich seien. Teilen Sie diese Einschätzung?

Nein, natürlich nicht!
Für die GRÜNEN beginnt die Förderung der Forschung nicht erst im Studium, sondern bereits bei der Förderung von Kreativität und Neugier im Kindergartenalter, und für uns ist klar, dass den heutigen Herausforderungen für das menschliche Überleben auf diesem Planeten nur mit guter Forschung begegnet werden kann.
Wichtig ist allerdings, dass Forschung kein Selbstzweck ist und sich immer wieder selbst reflektiert, ob sie in der Lage ist, die Probleme der Gesellschaft und der Umwelt zu lösen und innovative Entwicklungen voranzutreiben. Die Forschungspolitik ihrerseits muss Bedingungen für Qualität in der Forschung schaffen und den Nachwuchs fördern. Nachhaltige Forschung gebietet es übrigens, keine Mittel mehr für sinnlose Forschungsfelder zu Verfügung zu stellen, wie zum Beispiel bei der Agro-Gentechnik oder der Atomenergie.
Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit müssen auch immer wieder über ethische Grenzziehungen diskutieren, wie zum Beispiel bei der humanen embryonalen Stammzellforschung. Wenn dann die Grenzen festgelegt sind, müssen sie allerdings auch eingehalten werden.

Welche Themen liegen Ihnen noch am Herzen?

Soziale Gerechtigkeit zu verbessern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch eine multilaterale Außenpolitik liegen mir besonders am Herzen.

Ihr Regionalbüro kümmert sich um die Region Mittelhessen. Was brennt Ihnen denn dort unter den Nägeln? Was bewegt die Menschen in Ihrer Heimat?

Im Prinzip ist die Region das Brennglas dessen, was auch in Berlin diskutiert wird. Zum Beispiel die Frage nach ausreichenden Ausbildungsplätzen, Abbau von Arbeitslosigkeit, fehlenden Kindergartenplätzen, einer 'gerechten' Gesundheitspolitik und Steuerreform. Das sind alles Themen, mit denen ich konfrontiert werde.

Bleibt neben der Politik noch Zeit für etwas anders? Was machen Sie gerne in Ihrer knapp bemessenen Freizeit?

In meinem Job als Politikerin bleibt nicht viel Zeit für Hobbys. Sollte ich sie doch einmal finden, lese ich gerne Bücher. Auch Tanzen ist eine Leidenschaft, die ich zusammen mit meinem Mann verfolge. Natürlich stehen auch Reisen auf dem Programm.

 

"Man muss hart zu sich selbst sein können!"

Sie haben zwei Söhne im Alter von 20 und 17 Jahren. War es schwierig, Kindererziehung und –betreuung und Ihre politische Karriere unter einen Hut zu bringen?

Manchmal schon. Es gab Phasen, da war es schwierig. Aber ich hatte gute Unterstützung von meinem Mann. Es ist wichtig, dass man auch in so einem zeitaufwändigen Job klare Grenzen zieht und Prioritäten setzt.
Ein perfekter Terminplan ist da ganz wesentlich. Die Zeit für meine Familie habe ich dabei genauso geplant wie meine politischen Termine. Man muss hart zu sich selbst sein, um die Versprechen gegenüber der Familie einzuhalten. Die vermeintliche Wichtigkeit von politischen oder öffentlichen Terminen entfaltet einen ziemlichen Druck.

Hatten Sie es als Frau in der Politik schwerer, "nach oben" zu kommen?

Ja und nein. Es ist immer noch so, dass Frauen kritischer beurteilt werden, sich selbst aber auch kritischer sehen.

War das bei ihnen auch so?

Ja, ich habe mich immer kritisch hinterfragt. Der Vorteil als GRÜNE Politikerin war allerdings, dass wir eine Quotierung haben, von daher bestimmte Funktionen und Plätze für Frauen vorgesehen sind, und wir nicht gegenüber Männern darum kämpfen mussten. Konkurrenz unter Frauen ist aber auch nicht ohne.
Letztendlich haben mir mein Optimismus, meine Standfestigkeit und Energie immer wieder geholfen, wenn es Rückschläge gab.

Priska ist ein ungewöhnlicher Vorname. Wissen Sie, was er bedeutet?

Übersetzt wird der Name aus dem Lateinischen mit "Die Ehrwürdige".
Es heißt aber auch "die Schöne" oder "die Herrliche". Diese zwei Formen sind in Deutschland weiter verbreitet, da der Name Prisca von der heiligen Prisca abstammt. Mein Namenstag ist am 18. Januar.

Ihr Lieblingsbuch?

"Salz auf unserer Haut" von Benoît Groult.

Ihr Lieblingsessen?

Selbstgemachte Käsespätzle.

Ihr Lieblingsfilm?

Pretty Woman.

Vielen Dank für das Interview!

 

Zusätzliche Information